Fußball, Tauben und Musik

Kurt Gensheimer hat Ihnen an dieser Stelle schon mehrfach Topschläge vorgestellt. Heute ist es nun an uns, über seine eigenen Topergebnisse zu berichten. So wurde er beispielsweise in 2011 "3. Nationaler Jährigenmeister des Verbandes", " 17. Verbandsmeister Mittelstrecke" usw.l Und bei diesen Platzierungen kann man es sich sparen, die Spitzenergebnisse bei weiteren Meisterschaften aiifzuzählen, von denen es in einem solchen Jahr natürlich mehr als reichlich gibt!

Bellheim, ein Ort mit 8.000 Einwohnern, liegt im Herzen der Südpfalz zwischen Karlsruhe und Speyer! Hier, etwa 25 km vom Pfälzer Wald, ist der Wohnhort der Vater/Tochter-SG Bcnsheimer. Vater Kurt ist 59 Jahre alt und bei der örtlichen VR-ßank als Kundenbetreuer tätig.

Seine Tochter ist allerdings nicht mehr aktiv dabei, denn sie ist verheiratet, hat zwei Kinder, geht halbtags ihrem Beruf als Bankkauffrau nach und betreibt „so ganz nebenbei" auch noch das Geschäft „Accessoires für Haus und Garten". Bei einem so ausgefüllten Tag bleibt wirklich keine Zeit mehr für Tauben.

Kurt Gensheimer hat sich zwar schon als jugendlicher für Brieftauben begeistert, aber die ganz große Leidenschaft gehörte dem Fußball. Dieses hing auch wohl mit der Jugendförderung des örtlichen Fußballvereins Phoenix Bellheim zusammen, der in seinen Glanzjahren um die Deutsche Amateurmeisterschaft mitspielte und es bis in die Regionalliga schaffte.

Und das alles ohne die heute allerorts üblichen Zukäufe, sondern ausschließlich mit Eigengewächsen aus der Jugendabteilung.

Schon mit 17 Jahren durfte Kurt Gensheimer bei diesem Topverein einige Male in der 1. Mannschaft auflaufen und wurde zwei Jahre später nach dem erneuten Aufstieg in die Regionalliga Vertragsspieler. Bis 2004 war er dann als Spielertrainer und Trainer aktiv.

Als er dann im Training der Altherren einen Schlüsselbeinbruch erlitt, musste er für seine Tauben kurzfristig fremde Hilfe in Anspruch nehmen. Das war dann wohl auch der Auslöser dafür, dass der Taubensport fortan in den Vordergrund rückte und nicht mehr der Fußball die Freizeit bestimmte.

1992 bekam Kurt Gensheimer Kontakt zu Heinz-Jürgen Salm (Bell) und sicherte sich mit den von ihm eingeführten Jungtauben die 2. RV-Jungtiermeisterschaft '92. Ein Jahr später rückte er noch einen Platz höher und führte die Siegerliste an.

Natürlich waren dafür nicht nur die Salm-Tauben verantwortlich, sondern wohl noch entscheidender waren die Tipps, die von dem Versorgungsspezialisten Salm kamen.

Bestandsaufbau

Schaut man sich die Abstammungen der Leistungstiere genauer an, so stößt man auf die Namen SG Layer, van Ravenstein, Vandenabeele, Wulhorst, Achtermann, Berghoff-Tomiczek, Schellens über Kölbl, Notheis, Püttmann, Samson, Grundel, Kremer, Leen-Boers, Camphuis, Janssen, Renner, Drapa, Koopman und Standfest!

Auch wenn Heinz-Jürgen Salm anfangs als Berater fungierte, so darf man Ernst Layer sicher als den Mentor bezeichnen. Mittlerweile ist übrigens Hans-Dieter Schmitt in die Rolle des Ratgebers geschlüpft.

Der Schlag

Das Abteil der Witwer ist mit 36 Hermes-Kotbandzellen ausgestattet. Diese sind aber meistens auf „Hälfte" gestellt, damit sie im Winter 50 Tauben Platz bieten können. Der Reisebestand reduziert sich nämlich durch die allgegenwärtigen Raubvögel vor und zu Beginn der Saison erheblich, wodurch die Reise dann auch „nur" noch mit 80 Tauben (Vögel und Weibchen) in Angriff genommen wird. Der Weibchenschlag ist übrigens unmittelbar daneben und nur durch eine Holztür getrennt. Damit die Tauben auch ungeachtet der Raubvogelplage an die frische Luft können, ist vor die Abteile eine Voliere gebaut.

Der Jungtierschlag ist bei den Gensheimers im Obergeschoss des Vorderhauses, was das Umgewöhnen nicht einfacher macht. Welche Taube will schon gerne aus dem dritten Stock runter in den Gartenschlag. Platz ist hier übrigens mehr als reichlich vorhanden. So stehen den Zuchttauben beispielsweise zwei weitere Speicherabteile zur Verfügung. Und wenn der Platz schon da ist, dann kann man doch auch die eine oder andere Taube mehr überwintern lassen. So ist der Winterbestand mit 180 bis 200 Tauben auch nicht gerade klein!

Im Frühjahr wächst dieser Bestand noch um so rund 120 bis 150 Jungtiere, die sowohl aus den Zuchttauben als auch aus den besten Reisetieren kommen.

Ab dem letzten Jungtierflug bekommen die Tauben ausnahmslos keinen Freiflug mehr. Bei rund 40 Wanderfalkenpaaren im nahen Pfälzer Wald, die von Vogelschützern rund um die Uhr beobachtet werden, ist das auch wohl notwendig.

Jahresblauf

Der Gesamtbestand wird Anfang bis Mitte Februar gepaart, sodass die Jungen beim ersten Freiflug der Alten alle beringt sind. Das erleichtert auch das Umgewöhnen. Sind die Jungen etwa zwei Wochen alt, werden die Reisetauben getrennt. Damit beginnt dann die Phase des „geordneten Freiflugs". Die Vögel und die Weibchen trainieren von nun an morgens und abends, und zwar bis zur letzten Preistour.

Sobald es hell wird, beginnt das Training der Weibchen, das sich mit steigender Form schon mal auf zwei Stunden ausdehnen kann. Am Abend ist die Reihenfolge umgekehrt, dann kommen die Vögel zuerst nach draußen, und zwar um 18.30 Uhr!

Wie schon erwähnt, wird zu Beginn der Saison der gesamte Reisebestand von etwa 80 Tauben eingekorbt. Bei normalem Flugverlauf bleiben die Partner bei der Rückkehr zwei bis drei Stunden zusammen, bei schwierigen Flügen verkürzt sich diese Zeitspanne aber deutlich. In solchen Fällen soll die Mannschaft schneller in die Erholungsphase kommen. Als Ausgleich dürfen die Partner dann am Folgetag ihr Zusammensein, nun entsprechend erholt, erneut für ein bis zwei Stunden genießen.

Innerhalb der Saison wird übrigens nicht gefahren. Zum Einsetzen werden die Tauben so aus den Zellen beziehungsweise dem Regal genommen, und zwar ohne dass sich die Partner vorher sehen oder die Nistschalen umgedreht werden.

Die Reisemischungen ergänzt Kurt Gensheimer vor den längeren Touren m.it geschälten Sonnenblumenkernen, Erdnüssen und Hanf. Dazu kommen verschiedene Beiprodukte zum Einsatz, u.a. von Tollisan und Röhnfried!

Seit 2010 obliegt die tierärztliche Betreuung Frau Dr. Verena Ecker, die seither in der Saison monatlich vorbeischaut und die allgemein bekannten Untersuchungen vorninunt.

Wie man sieht, überlässt Kurt Gensheimer nichts dem Zufall. Obwohl alles bestens durchorganisiert ist, beläuft sich der tägliche Zeitaufwand doch auf rund sechs Stunden. Und wohlgemerkt, der hier vorgestellte Züchter ist nicht Rentner, sondern bei ihm steht immer noch der Beruf an erster Stelle. Und weil das so ist, wird das Jungtaubenspiel hier nicht ganz so forciert angegangen. Zwar wird der Nachwuchs auch hier verdunkelt und vorgefahren, aber nicht nach Geschlechtern getrennt.

Der Grund für das Verdunkeln ist hier auch vielmehr der, dass die Jungen ihre Flüge durch das volle Federwerk einfach schonender absolvieren.

Auch bei den, nicht so schönen Thema Selektion vertraut Kurt Gensheimer zwei „alten Füchsen", und zwar Ludwig Bentz

und H. D. Schmitt. Bestätigen sie seine Entscheidungen, so fallt das Herausnehmen eben doch deutlich leichter.

Als weiterer Ratgeber darf Hans Rausch hier nicht ungenannt bleiben, denn auch wenn die Entfernung für einen Kurztrip zu ihm einfach zu groß ist, so sind seine Tipps am Telefon doch überaus hilfreich!

Beruf und Taubensport, beides mit Begeisterung ausgeführt und keinesfalls als Belastung gesehen, lassen dem Energiebündel Kurt Gensheimer anscheinend trotzdem genug Freiraum, um sich auch noch anderweitig einzubringen. So ist er nicht nur in verschiedenen Bereichen unseres Sports ehrenamtlich tätig, sondern engagiert sich auch in der Nachwuchsförderung beim örtlichen Fußballverein. Dazu wirkt er auch noch in einer privaten Gesangsgruppe mit, für die er extra Gitarrenund Gesangsunterricht nimmt. Und ob rnan's nun glaubt oder nicht, die Tage haben auch in Bellheim nur 24 Stunden!

Ein Bericht von Rainer Püttmann aus dem Magazin Brieftaubensport International Zurück zu Aktuelles