Horst & Volker Standfest 1. As-Vogel des Verbandes 2006

Föritz, Wohnort der Schlaggemeinschaft Standjest, liegt im südlichen Teil Thiiringem nahe der Kreisstadt Sonneberg. Hier verlief das alte DDR-Sperrgebiet. Die Schlaggemeinschaft besteht aus Horst Stancifest (78) und Sohn Volker (51), der ein eigenes Unternehmen für industrielle Elektrowärme mit 150 Mitarbeitern }iihrt. Mittlerweile zeigt mit Thorsten (22), momentan Student der Pädagogik, auch die nächste Generation Interesse an unserem Sport.

Im Jahre 1948 nahm Horst Standfest erstmals mit eigenen Tauben an der Reise teil und war schon in den fünfziger Jahren Vorsitzender der Kreisorganisation (ähnlich RV)!

Auch Volker ist bereits seit seiner Kindheit mit dem Taubenvirus infiziert. Nach einigen Jahren Pause wegen Studiums zum Diplom-Ingenieur, Armeezeit und Aufbau der eigenen Firma, kam er 1997 zum Hobby zurück. Wesentlicher Grund dafür waren eigentlich die Sticheleien über die Erfolglosigkeit des Vaters. Mit der Bemerkung „Vater, entweder hörst du auf oder wir betreiben die Sache jetzt richtig" brachte er Schwung in das Züchterleben der SG Standfest. Noch im gleichen Jahr wurden die „alten DDR-Tauben" durch neues Blut ersetzt. Dabei wurde aber nicht gekleckert, sondern richtig geklotzt! Die Folge war, daß in der Saison 2001 die Schlaggemeinschaft wie Phönix aus der Asche stieg!


Die Tauben

In den letzten zehn Jahren hat Volker Standfest trotz seiner beruflichen Inanspruchnahme viel Zeit darauf verwandt, um Ausgangslinien berühmter und vererbungsstarker Rassen aufzuschlüsseln. So ist er durch intensives Studium jeglicher Fachlektüre bemüht, Züchter ausfindig zu machen, deren Tauben sich seit Generationen durch Fliegen in die Spitze auszeichnen.

Die Reiseerfolge werden als Bestätigung dafür angesehen, daß man auf dem richtigen Weg ist. Allerdings scheuen sich Vater und Sohn Standfest auch nicht, schon Jährige vom Reiseschlag weg in die Zucht zu nehmen, wenn sie sich durch entsprechende Resultate ausgezeichnet haben.

Es wurden Tauben von Walter Schlen k aus Sulzbach-Rosenberg (Remi De Mey), von Herbert Kremer aus Jülich (Ianssen) und von Rudolf Schlotmann (janssen, Van Dijck) geholt, die überragende Nachzucht brachten und bringen!

Hierzu einige Beispiele: Der 05289-97- 291 (W. Schlenk) gibt mit der 04487-97- 2864 (Herbert Kremer) gleich mehrere richtig Gute, so die 09802-00- 147 (32. As-Weibchen

des Verbandes 2003 und 5x 1. Konkurs in drei Jahren)! Diese wiederum ist sowohl Mutter des Regionalflugsiegers 2004 (530 km, 4.800 Tb.) als auch des 09802-04-324 (1. As-Vogel des Verbandes 2007)!

Zwei Nestschwestern aus dem Schlenk/Kremer-Paar sind die 09802-01-747 (4x 2. Konkurs) und die 09802-01-748 (7x 1. Konkurs)!

Ein weiterer Vogel (05289-97-286) von W. Schlenk bringt mit der Schlotmann-Täubin 08872-03-696 aus ,,Sohn Rambo" x „Tochter Kannibaal" die 09802-04-430, die in diesem Jahr durch 12/12 auffallt.

Erwähnt werden muß in diesem Zusammenhang auch die original Vandenabeele-Täubin „Tochter Ranker" (,,Ranker": 1. Asvogel Fond 1994 und 1. Nat. Limoges), die sich die SG Standfest auf der Totalversteigerung vonJosefFlöck sichern konnte.

In 1998 wurde mit Louis Delcus Kontakt aufgenommen. Noch im gleichen Jahre kamen einige besondere Tauben nach Föritz und sorgten dort für exzellente Nachzucht: So gibt der B 98-2403854 aus „De Argenton" (2. Nat. Argenton gegen 27.499 Tb.) x „Blauwe Reverrnann" (aus „Wonder van Wenum" x „Vervoort Olympiaduif 812") zusammen mit der „Tochter Ronkcr" die 09802-04-969 mit 13/13 in 2007.

Als weiteres Zuchtas erwies sich das Weibchen B 98-2403840, eine Tochter des „De Vooruit" und der „I3 898" (Großmutter des „De Argenton").

Weiterhin sind mit der B 98- 2403837 und der B 98-2403830 noch zwei Enkelinnen des „De Vooruit" im Zuchtschlag. Die letztgenannte Täubin brachte mit dem original E. + E. Lichtenberg-Vogel 03363-94-470 den 09802-00-175, der es in drei Reisejahren auf 31/25 und vier 1. Konkurse brachte!

Seit 2000 wurden auch Tauben von C. & G. Koopman eingeführt! Mit dem NL 00-5063908 aus „Kleine Dirk" x „Lei" wurde dabei eine echte Rarität erworben. So gehen in Föritz schon jetzt 18 erste Konkurse auf seine Kinder und 23 erste Konkurse auf seine Enkel zurück! Dazu fliegen zwei .Söhne von ihm. in diesem Jahr 13/13!

Zusätzlich zu diesem „Sohn Kleine Dirk" gibt es auch noch einen Sohn des „Rosco", zwei Enkelinnen des „Noble Bluc" und eine Tochter des ,,Black Power"!

In 2003 besuchte man auch die niederländische Vater/Sohn-Gemeinschaft Lindelauf und erwarb dort den NL 03-223382. Dieser Vogel ist in Linie gezogen und ein Sohn des „Het Mirakel", der es innerhalb von sechs Wochen auf 1./21.108 Tb., 1./6.476 Tb., 1./996 Tb., 1./789 Tb., 5./975 Tb. und 22./864 Tb. brachte und damit 1. Nationale Astaube Vitesse der Niederlande wurde.

Aus diesem original Lindelauf-Vogel und der 09802-00-147 (32. AsWeibchen des Verbandes 2003) fiel in 2004 der „Superstar 324" (09802-04- 324), der in dieser Saison für den Titel „1. As-Vogel des Verbandes 2007" (10 Preise, 969,76 As-Punkte) sorgte!

Der Asvogel wurde nach dieser überragenden Leistung sofort in den Zuchtschlag gesetzt, um dort zukünftig seine Schnelligkeitsgene weiterzugeben.

Schlaganlage

Das heutige Taubenhaus wurde ursprünglich als Garage mit Wirtschaftsraum gebaut. Heute ist ganz und gar den Bedürfnissen der Tauben angepaßt.

Im oberen Teil findet man die zwei Witwerabtcile, dazwischen das für die Weibchen, die während der Saison tagsüber in ihren Kippboxen festgesetzt sind. Dahinter ist der nur durch das Weibchenabteil zu erreichende Jungtierschlag mit angrenzender großer Voliere.

Die Einrichtung ist insgesamt eher schlicht zu nennen, auch wenn auf Hygiene und Sauberkeit strengstens geachtet wird. Dafür bedarf es aber keiner Kotbänder, denn zweimal täglich werden alle Schläge gereinigt.

In einem gesonderten Schlag, in den, vor Jahren dieeigentliche Taubensportlerlaufbahn begann, sind die Zuchttauben untergebracht.

Bestandsgröße

Der Winterbestand umfaßt etwa 180 bis 200 Tauben. Davon gehen dank der Totalen Witwerschaft mehr als 110 (darunter 30 ungepaarte jährige Vögel) auf die Reise.

Um die Tauben auf Herz und Nieren zu testen, werden die Einsatzzahlen die gesamte Saison durch hochgehalten. Das rückt die Leistung des Asvogels noch in ein besonderes Licht, denn oft genug kam er in einer Spitzengruppe zurück und gurrte die mit ihn, ankommenden Weibchen an.

Die 35 Paare im Zuchtschlag sorgen übrigens gemeinsam mit den besten Reisetauben für die 80 bis 100 Jungtiere, die für den Eigenbedarf gezogen und ohne besondere Motivation von der Stange gespielt werden.

Fütterung und Versorgung

Wegen der Greifvögel werden die Tauben von Mitte September an bis in den März hinein festgesetzt. Trotzdem fallen jährlich rund 15 bis 20 Tauben dem Greif zum Opfer.

Ende Dezember werden alle Schläge mit einem Gasbrenner ausgeflammt. Eine Woche danach erhalten alle Tauben die vorgeschriebene PMV-Impfung.

Bereits Ende Januar kommen sowohl Zucht- als auch die Reisetauben zueinander und dürfen bis zum 1. April tun, wonach ihnen ist. Die Weibchen legen dabei zwar alle ein zweites Mal, doch zum Schlüpfen der zweiten Brut ist es noch nie gekommen. Am 1. April ist das freie Leben vorbei und die Tauben werden nach Geschlechtern getrennt. Von nun an werden sie auch intensiv am Haus trainiert, wobei allerdings anfangs morgens und abends nicht in erster Linie die Zeit, sondern vielmehr die Temperatur (mindestens 10°) entscheidend ist.

Totale Witwerschaft

Wie schon erwähnt, wird „alles" geschickt, was auf dem Reiseschlag sitzt. Die 30 unangcpaarten jährigen Extravögel gehen dabei von einem separaten Abteil mit.

Vor dem Einsetzen werden die Weibchen generell gezeigt. Nach der Rückkehr vom Flug dürfen die Partner dann etwa eine Stunde beieinander bleiben.

Am Montag gibt es keinen Freiflug, dafür ist aber dann Badetag.

Vor Saisonbeginn wird privat trainiert. Zusätzlich werden die Vorflüge der RV absolviert.


Wann paart ihr die Tauben? ,,Die Paarung erfolgt Ende Januar. Mindestens zwei Wochen vorher wird morgens und abends für je zwei Stunden mit Licht der Tag verlängert. Wir verwenden dafür Lampen mit Glühbirnen. Deren gleichmäßig glühender Wolframfaden ist sicher jeder Neonleuchte vorzuziehen."

Wie bereitet ihr die Tiere auf die Saison vor? ,,Zum. Training werden die Tiere immer in die gleiche Richtung gebracht und dort gemeinsam aufgelassen. Wir beginnen dabei mit kurzen Entfernungen und steigern diese dann auf 40 km. Anfangs lassen wir die Tauben dann noch etwas stehen, später gehen dann aber die Klappen sofort nach dem Auspacken hoch. Uns geht es beim Wegbringen nicht so sehr um das Kilometerfliegen, sondern einfach um das schnelle Abziehen. Mit dem durch das Fahren geschärften Orientierungssinn ziehen die Tauben unmittelbar nach dem Auflaß ohne jede Platzrunde wie ein Strich Richtung Heimat. Wir nennen das hier den Drapa-Effekt!"

Wie sieht es mit der Versorgung in der Saison aus} ,,Wir haben einen Futterplan erarbeitet, der sich dem Bedarf anpaßt. Oftmals fordern schwerere oder leichtere Flüge nämlich unterschiedliche Vorgehensweisen bei der Fütterung. Dabei ist der Züchter gefragt, denn das sture Festhalten an dem einen oder anderen Versorgungsplan kann schnell den Erfolg gefahrden.

War bei Mitwindflügen der Substanzverlust gering, können Anfang der Woche die leichten Futterkomponenten auf die ein oder andere Mahlzeit ausgedehnt werden. Im Klartext bedeutet dies, daß wir in dem Fall die Säuberungsmischung einen Tag länger füttern und dafür zum Wochenende hin eine kohlenhydratreiche und fettreiche Mahlzeit ausfallen lassen. War der Flug jedoch hart und kräftezehrend, so geben wir den Heimkehrern schon am Abend eine gehaltvolle Mischung und beginnen erst am Tag danach mit der Entschlackungsphase.

Erbsen und Wicken haben wir übrigens total aus dem Futterplan verbannt und diese schwer zu verdauenden Futterkomponenten durch pulverförmige Produkte (Eiweiß, Vitamine, Kohlehydrate, Aminosäuren) ersetzt. Die Fütterung erfolgt übrigens in groben Zügen nach der Hirn-Methode (Versele Laga). Ergänzend kommen . Produkte von Dr. Brockamp (Probac), Andreas Drapa und Johannes Jakobs ZlllTl Einsatz!

Um zum Saisonende noch Energie freisetzen zu können, bieten wir den Tieren dann zusätzlich Mais, geschälte Sonnenblumenkerne sowie Erdnüsse und Käse an!"

Und Medikamente wie Antibiotika? „Damit sind wir recht vorsichtig. Wir lassen unsere Tauben aber zweimal im Jahr von Frau Dr. Kny untersuchen und nehmen unabhängig davon im Frühjahr eine Behandlung der Atemwege vor. Allerdings richten wir uns auch dabei nach den Vorgaben von Frau Dr. Kny! Die Tauben können in kürzester Zeit wieder voll durchatmen und sind dann erst fahig, ausdauernd zu trainieren. Freie Atemwege garantieren nun mal die richtige Sauerstoffversorgung. Ohne den lebenswichtigen Sauerstoff würde jedes Energiefeuer doch in kürzester Zeit erlöschen.

Der Körper unserer Tauben funktioniert wie ein Verbrennungsmotor, der auch nur mit halber Leistung läuft, wenn die Zufuhrleitungen und der Luftfilter durch Verschmutzung nur einen geringen Teil der erforderlichen Menge an Luft durchlassen."

Wo habt ihr euch zuletzt nach Verstärkung umgesehen? ,,Wir suchen immer die schnellen Tauben. Wenn sie dann noch volles Haus fliegen, desto besser. In 2006 haben wir noch 10 Jungtiere vom 5. Belgischen Meister Jean-Pierre Biesmans eingeführt, wovon noch sechs an der Altreise 2007 teilnahmen und ihre Prüfung wie folgt bestanden:

Drei Vögel flogen 13/11, 12/10, 12/8 und zwei Weibchen 12/10 und 12/8!"

Bisherige Erfolge

Als bisherige Highlights können sicher die in den letzten Jahren aufBundesebene errungenen Titel „15. Verbandzjährigenmeister 2001" und „7. Verbandsmeister Allround 2003" gelten!

Daß man aber auch aus den Jahren 2001 bis 2007 sieben Male den Titel „RV-Meister" und 29 erste Konkurse zu Buche stehen hat, wird zur Nebensache, wenn Vater und Sohn Standfest in Dortm.und im Januar für den „1. As-Vogel des Verbandes 2007" geehrt werden!


Ein Bericht von Kurt Gensheimer für die Zeitschrift "Brieftaubensport International"

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