Ohne Fleiß kein Preis

In der schönen Pfalz, genauer gesagt in Bellheim, das zwischen Karlsruhe und Speyer in der ,,Vorderpfalz" liegt, ist die Schlaggemeinschaft Kurt Gensheimer Et Tochter Sandra beheimatet. Bei der Schlaggemeinschaft ist allerdings nur noch Kurt Gensheimer aktiv. Sandra hat durch Beruf, Kinder und die damit verbundenen Verpflichtungen für die Brieftauben zu wenig Zeit, um aktiv den Brieftaubensport zu betreiben.

Die Umgebung

Bellheim, eine Kleinstadt mit ländlichem Charakter, bekannt durch das süffige Bellheimer Bier und durch den Obst- und Gemüseanbau - hier besonders der Spargel, kennzeichnet diese wunderschöne Landschaft. Sie erstreckt sich östlich vom Pfälzer Wald mit der Rheinebene bis an den Rhein. Freunde der gepflegten Küche, die sich nicht nur auf Saumagen und Hausmacherwurst beschränkt, finden genauso wie Wanderer und-Erholungssuchende in den sanften Rebenhängen und dem Gemüseund Obstanbaugebiet eine recht vielfältige Landschaft, die auch klimatisch eher auf der „Sonnenseite" liegt.

Sportliche Aktivitäten

Kurt Gensheimer, heute 60 Jahre jung, von Beruf Bankkaufmann, ist als Kundenbetreuer bei der örtlichen VR-Bank angestellt. Sein Arbeitsplatz ist mit dem Fahrrad in wenigen Minuten erreichbar, was nicht nur für die Taubenhaltung ein Vorteil ist. Brieftauben hatten schon den Jugendlichen Kurt Gensheimer beschäftigt. Allerdings fehlten die räumlichen Möglichkeiten und dann waren es der Fußball und das weibliche Geschlecht, die eine wesentlich größere Anziehungskraft hatten.

Nicht ohne Stolz war er dann schon als siebzehnjähriger „Jungfuchs" im aktiven Bereich der 1. Mannschaft ein gefragter Spieler. Bis 2004 war Kurt Gensheimer als Spieler und später als Spielertrainer aktiv mit dem Fußball verbunden. So war zwangsläufig der zeitliche Aufwand für die Brieftauben sehr knapp bemessen. Beides, Fußball und Tauben hundertprotzig unter einen Hut zu bringen, war nicht möglich. Die Folge: ,,Futter und Wasser im Laufschritt"; oft genug waren die Tauben sich selbst überlassen.

Begegnung mit Folgen

Erst Jahre später, als ein Schlüsselbeinbruch bei einem Fußballspiel mit den Alten Herren der Fußballkarriere ein Ende setzte, war auf einmal Zeit für die Brieftauben vorhanden. Durch einen weiteren Zufall während eines Krankenhausaufenthaltes lernte Kurt Gensheimer Jürgen Selm, den damaligen Spitzenzüchter und Autor diverser Fachberichte aus Bell in der Eifel kennen. Diese Bekanntschaft sollte sich nachhaltig recht positiv gestalten. So wurde z. B. die Schlaganlage nach Vorgaben von Jürgen Salm errichtet. Jürgen Salm hatte mit relativ geringem Aufwand an Kosten und Material eine Anlage konzipiert, die einfach gestaltet war und trotzdem (vielerorts) sehr gut funktionierte.

Nicht nur das, durch seine Bekanntheit wusste Jürgen Salm auch, wo die guten Tauben sitzen. So hat er manchem Anfänger für kleines Geld manch gute Tauben vermittelt, so auch für K. Gensheimer. Über diese Verbindung kam die Bekanntschaft zur SG Gebr. Layer in Mannheim zustande. Gerade diese Begebenheit sollte sich für die nächsten Jahre als überaus nützlich erweisen. Heute bezeichnet Kurt Gensheimer nämlich Ernst Layer als seinen großen Mentor und Gönner, der ihn in fachlichen Dingen sowie mit Top-Taubenmaterial bis heute unterstützt. Alle Tauben aufzuzählen, die mittlerweile von den SG Layer nach Bellheim umsiedelten, würde hier den Rahmen sprengen, aktuell sind es die „Schellens-Tauben", die ihren Ursprung bei den Top-Paaren von Ludwig Kölbl haben und nach wie vor ihre Qualitäten weltweit recht eindrucksvoll beweisen.

Des weiteren kamen sechs Jungtiere aus dem bekannten 08600- 98-549 von Heinz Wulhorst, der selbst 6x 1. Preis errungen hatte. Von R. Püttmann waren es die ,,Samson"- und die „Grundel"Tauben" - was auch eine enorme Verstärkung brachte - das alles von Ernst Layer.

Weitere Tauben kamen von Wendelin Notheis aus Harnbrücken, zu dieser Zeit der TopSchlag im 18. Bezirk! Die direkte Nachzucht aus seiner Ass-Taubenfamilie (13. und 14. Ass-Vogel BRD) brachte ebenfalls eine deutliche Verstärkung im Zuchtschlag. Als Herr Notheis aus gesundheitlichen Gründen mit den Tauben aufhören musste, kam der gesamte Bestand, dabei waren 15 Vögel, die alle zweistellig geflogen hatten, mit den entsprechenden Weibchen nach Bellheim. Diverse Top-Tauben von Dieter Krämer aus Walsdorf, die ihren Ursprung bei Leen Boers, Camphuis, Janssen und Schellens haben, sollten ebenfalls den Zuchtbestand nachhaltig aufwerten. Einige Tauben aus der überaus erfolgreichen Schellens-Zucht von Bernd Renner ergänzen mittlerweile den Schellens-Zuchtbestand.

Bis zu diesem Zeitpunkt hatte der Fußball-Sport immer noch einen sehr hohen Stellenwert in der Freizeitgestaltung von Kurt Gensheimer. Durch seine positive Ausstrahlung und der immensen Erfahrung war er als Trainer und Berater diverser Fußballmannschaften ein gefragter Sportsmann. Durch diesen zeitlichen Aufwand fehlte in der Taubenversorgung immer noch der hundertprozentige Einsatz.

Was mit diesem Taubenmaterial möglich war, sollte sich erst Jahre später zeigen, als die Tauben nicht mehr nur so nebenbei versorgt wurden. Zu dieser Zeit - - 2004 lernte er aus Bruchsal den Spitzenzüchter Hans-Dieter Schmitt kennen. Er ist in dieser Region als Taubenkenner ein gefragter Mann. Seine Meinung und fachliche Kompetenz bei der Beurteilung von Tauben hat nach wie vor einen sehr hohen Stellenwert. Mit seiner Unterstützung vor allem in der Auslese und dem Zusammenstellen von Zuchtpaaren konnte der Bestand in der Folgezeit deutlich aufgewertet werden. Erstmals in den Jahren 2005 und 2006 zeigte sich bei den Meisterschaftsfeiern, wer hier in Zukunft die erste Geige spielt!

Wegweisende Bekanntschaft

Eine weitere Begebenheit sollte dem Brieftaubensport in Bellheim einen gewaltigen Schub verleihen: In 2006 wurde bei einem Besuch bei Ernst Layer in Mannheim die Bekanntschaft von Volker Standfest gemacht. Sportfreund Standfest aus Föritz/Sonnenberg spielt sehr erfolgreich im RegV 758 sowie auf Bundesebene, hier konnte u. a. der 1. Ass-Vogel BRD 2007 (09802-04-324 mit 969,76 AssPunkte.) gestellt werden, der aus einem Sohn des „Het Mirakel" von der niederländischen Vater-Sohn-Gemeinschaft Lindelauf stammt.

Auf seinem Zuchtschlag sitzen mehrere direkte Nachkommen aus den Top-Paaren von Gerard Koopman, Louis Deleus, SG Lindelauf usw., den Zuchtschlag von Volker Standfest kann man, ohne zu übertreiben, als Schatzkammer für jeden Taubenfreund bezeichnen. Auf Anhieb stimmte die Chemie zwischen beiden Taubenfreunden und so war sehr sch n eil ein freundschaftlich es, ja sogar ein brüderliches Verhältnis aufgebaut.

Bereits im April 2007 kamen mit dem 09802-06-1690 und dem 09802-06-1656 zwei Herbstvögel nach Bellheim. Beide Vögel sind Söhne aus dem Top-Vererber von Volker Standfest - dem:

NL 00-5063908, Sohn „Kleine Dirk" x „Lei" von C. Et G. Koopman.

Dass dieser Sohn „Kleine Dirk" zu den weißen Raben in der Zucht gehört, hat bis dato seine Nachzucht recht eindrucksvoll bewiesen: U. a. 18 erste Preise bei der direkten Nachzucht sowie 23 erste Konkurse in der Folgegeneration (Enkel). Als Sahnehäubchen erringen 2007 zwei Söhne 13/13 Preise! Die beiden ersten Vögel in Bellheim - „1690" und „1656" - kann man derzeit als die Zuchtsäulen" bezeichnen. So bringt u. a. der „1690" mit der 05941-04-1036 (Enkeltochter „Adonis" 05941- 00-933) von dem leider viel zu früh verstorbenen Sportfreund Herfried Schmitt (Joop Koch x Wal Zoontjes/Van Loon) drei Top-Weibchen in 2011, das wären die:

05941-08-190 RV = 13/11 Preise, FG = 13/13 Preise, 944,76 AssPunkte und 7. Ass-Weibchen im RegV 650

05941-10-1310 RV = 13/11 Preise, FG = 13/11 Preise, 928,04 Ass-Punkte, Miterringer der 3. deutschen Verbandsjährigenmeisterschaft BRD mit 6 Preisen und 580,26 Ass-Punkten. 05941-10-1355, Gesamtleistung: 18/ 17 Preise, RV und FG= 13/12 Preise, 1086,61 Ass-Punkte, bestes jähriges Weibchen der FG. l. Konkurs Pont a Mousson.

Die Taubenhaltung

Die alten Reisetauben werden bei Kurt Gensheimer aus einem Gartenschlag gespielt, der, wie schon erwähnt, nach Bauplänen von Jürgen Salm errichtet wurde. Die 36 Zellen sind mit Kotbändern ausgestattet und werden im Herbst nach der Trennung der Geschlechter nochmals unterteilt, so dass bis zu 50 Vögel über Winter untergebracht werden können. Der Bestand pendelt sich dann nach dem ersten Freiflug bei 80 Tauben ein, 20 bis 30 Tauben sind in diesen Monaten (ab März bis Reisebeginn) als Opfer des Raubvogels berücksichtigt.

Der Weibchenschlag ist unmittelbar an den Schlag der Männchen angebaut und nur durch eine Tür getrennt, einfache Sitzgelegenheiten dienen als Ruheplatz, tagsüber werden die Weibchen ausgesperrt. Für diesen Zweck ist an der gesamten Anlage für beide Geschlechter eine Voliere vorgebaut.

Alles - die ganze Schlaganlage ist nichts Besonderes. Als Besonderheit ist vielleicht die Isolierung an der Innenseite vom Dach zu sehen, die sicher einen positiven Einfluss auf die Thermik und die Schlagtemperatur hat, auf jeden Fall fühlen sich die Tauben sehr wohl, was auch für den Züchter spricht, denn der Reiseschlag ist für die Reisetauben eher klein bemessen, aber durch das gute Schlagklima und den ruhigen Umgang von Kurt Gensheimer mit den Reisetauben scheinen sich alle mit den einfachen Räumlichkeiten sehr wohl zu fühlen.

Jung- und Zuchttauben sind in einem Nebengebäude untergebracht. Im unteren Bereich von diesem Gebäude befinden sich Futter und andere Bedarfsartikel. Über eine Treppe gelangt man in den Zuchtschlag. Der Jungtaubenschlag mit ca. 120 bis 150 Jungtauben für den Eigenbedarf hat die Ausflüge auf der Straßenseite, was beim Umgewöhnen nicht ganz einfach ist. Über Winter sind es zusammen bis zu 200 Tauben, die doch einiges an Arbeit abverlangen.

Der gesamte Taubenbestand wird Anfang bis Mitte Februar angepaart, so dass beim ersten Freiflug im März die Jungtiere beringt sind. Zu diesem Zeitpunkt werden die jährigen Tauben umgewöhnt, wobei sie aber schon seit November in den Reiseschlägen untergebracht sind. Sind die Jungtauben ca. 15 Tage alt, erfolgt die Trennung. Die Jungtauben werden dann samt Legeschalen bei beiden Geschlechtern auf den Boden gestellt, die Fütterung durch die Alttauben funktioniert problemlos.

Sowohl die Weibchen als auch die Vögel trainieren zweimal am Tag, als erste Mannschaft sind morgens sehr früh die Weibchen auf den Flügeln, anschließend die Männchen. Am Abend erfolgt das Training in umgekehrter Reihenfolge, zuerst die Vögel, dann die Weibchen.

Private Trainingsflüge gehören der Vergangenheit an, das hat sich nicht bewährt, zudem waren die Verluste zu gravierend, dies meistens bei Trainingsflügen von 60 bis 80 km. Bisher konnte Kurt Gensheimer für diese Begebenheit keine Begründung finden. Allerdings hat es meistens bei den Jährigen mit diesem Trainingsprogramm die meisten Verluste gegeben.

Alles fliegt

Gereist wird mit allen frei fliegenden Tauben, es bleibt keine zu Hause. Nach der Rückkehr bleiben je nach Flugverlauf die Tauben zwei bis drei Stunden zusammen. Bei schwerem Flugverlauf erfolgt die Trennung wesentlich früher, dafür dürfen die Tauben am Folgetag nochmals für zwei bis drei Stunden zusammen kommen. Badetag ist grundsätzlich der Dienstag (für alle).

An jedem Mittwoch kommen die Reisetauben paarweise zusammen, dies in der Regel vom Mittag bis zum Abend, danach wird getrennt und der normale Tagesablauf einschließlich Freiflug erfolgt in gewohnter Manier. Vor dem Einsatz werden keine Legeschalen umgedreht und keine Weibchen gezeigt. Die Tauben wissen genau, wenn der Korb in den Schlag kommt, geht es los, so werden bis auf wenige Vögel alle in Ruhe in den Zellen gegriffen und in den Korb gesetzt.

Nach erfolgreichem Reisejahr dürfen die einzelnen Paare grundsätzlich ein Runde Jungtauben aufziehen, danach wird wieder getrennt.

Fütterung ohne Geheimnis

Die Fütterung ist bei Kurt Gensheimer kein Geheimnis, das ganze Jahr über wird eine Standardmischung gefüttert, deren Bestandteile direkt beim Bauern geholt werden. Reisemischungen (Triathlon und Champion), werden von der Firma Betz bezogen, dazu kommen von Ovator Relax, Energie und Top-Energie, das je nach Bedarf gemischt wird.

Als Zusatz kommen Hanf, Erdnüsse und geschälte Sonnenblumen, die vom Bäcker geholt werden, zum Einsatz. Grundsätzlich wird immer satt gefüttert, wobei die jeweilige Mischung der anstehenden Flugentfernung angepasst wird.

Ein Versorgungsplan von Dr. Vandersanden mit Ergänzungen von Dr. Marien bilden die Grundlage für die zusätzliche Versorgung mit Produkten wie Aminosäuren, Vitamine usw. Die medizinische Kontrolle obliegt Frau Dr. Verena Ecker, die seit Jahren auch den Weitstreckenclub in Herxheim erfolgreich betreut und so in regelmäßigem Abstand die Gesundheit der Tauben überprüft. Während der Reisezeit wird nur nach Befund behandelt, ansonsten sind alle Impfungen und Vorsorgeuntersuchungen mittels Abstrich und Kotuntersuchung als Grundvoraussetzung für eine Top-Gesundheit im zeitlichen Abstand eine Selbstverständlichkeit.

Ende 2012 beginnt die Phase der passiven Altersteilzeit; auch diesbezüglich werden schon Pläne geschmiedet, vielleicht kommen doch wieder die Fußballschuhe zum Einsatz, Jugendarbeit ist bei allen Sportarten von Nöten, nicht nur im Brieftaubensport.

Ein Bericht von Josef Ernst über Kurt Gensheimer in "Rauschende Schwingen" Zurück zu Aktuelles